logo

NEBELMOND Magazine - Germany - INTERVIEW

1. january 2003

Jeder, der auch nur ein klein wenig was mit Metal am Hut hat, und aus Luxemburg stammt, wird was mit dem Namen DESDEMONIA anfangen können. Auch im Ausland sind schon einige Leute auf das Flagschiff der lux. Death Metal Szene aufmerksam geworden. Aber damit finden wir uns nicht ab, sodass es klar war, die Jungs etwas genauer vorzustellen. Gitarrist Marc stand Rede und Antwort. 

Hallo Marc! Was gibt es denn so Aktuelles von DESDEMONIA zu berichten? Es wird von einer EP gemunkelt... bin ich da richtig informiert? Wenn ja, was kannst Du uns jetzt schon verraten?

Seit diesem Sommer (2003 - Tom) haben wir uns hauptsächlich aufs Schreiben neuer Songs konzentriert. Eine Menge Ideen sind dabei heraus gekommen und der eine und andere komplette Song steht bereits. Nebenbei spielen wir jetzt seit September wieder einige Gigs in Luxemburg und Belgien wo wir dem Publikum bereits zwei neue Songs vorgestellt haben. Fest steht noch nichts, doch eine nächste CD wird sicherlich in Angriff genommen. Wenn alles zeitlich hinhaut, müsste das im Sommer 2004 stattfinden. Bis dahin feilen wir an neuen Songs. Boah, die ,,Paralysed’’ CD ist ja wirklich ein echter Knaller geworden. Ich muss zugeben, dass ich nicht an so eine starke Entwicklung Eurerseits geglaubt hätte. Wie wollt Ihr das bitte überbieten?

Vielen Dank für das Kompliment. Für uns als Musiker ist es halt die beste Aufnahme, die wir zu dem Zeitpunkt hinbekommen haben. Unsere Philosophie war und ist immer die Musik die wir mögen zu schreiben und dann aber auch diese in einem produktionstechnischen guten Gewand auf einen Silberling zu bringen. Natürlich haben wir uns seit der Aufnahme von „Paralyzed“ musikalisch und in Punkto Produktion weiterentwickelt. Bei den nächsten Aufnahmen werden wir also versuchen dieses in unseren kreativen Prozess einzubringen. Davor erschien ja die CD ,,Same’’. Welche Erinnerungen hast Du an sie? Bist Du mit dem Sound zufrieden?

Es war zu dem Zeitpunkt richtig diese CD heraus zu bringen. „SAME“ hat uns sehr viel gebracht, da sie uns ermöglicht hat unseren Namen im Ausland bekannt zu machen und uns viele neue Fans gebracht hat. Klar könnte der Sound besser sein. Trotzdem hatten wir damals nicht so viel Erfahrung und zur damaligen Zeit war die Aufnahmetechnik noch nicht so ausgereift wie heute. Alle Lieder wurden damals in einem kleinen Studio in Mettendorf (Deutschland) bei AUDIMANIA Records auf einer analogen Bandmaschine aufgezeichnet. Es war schon viel Arbeit und Stress und auch ein gewisser Druck dabei, doch es war für die ganze Band eine gute Erfahrung, die uns sehr weiter gebracht hat. So haben wir viel gelernt und konnten aufgrund dieser Erfahrung viele Fehler bei den Aufnahmen zu „PARALYZED“ bereits im Vorfeld vermeiden. Und natürlich das ,,Infinity´s Regard’’ Demo. Jenes gefällt mit irgendwie besser als ,,Same’’. Der Sound ist zwar noch lange nicht so professionell, hat aber echte Atmosphäre! Überhaupt finde ich dass dieses Tape echt dunkel und heftig ausgefallen ist. Dein Kommentar bitte. Und was bitte stellte das Cover nur dar? Es sieht ein bisschen aus wie eine eitrige, angeschwollene Entzündung oder vielleicht wie eine Schnecke, die einen Baumstamm hinabrutscht, haha... wie weit liege ich neben der Spur?

,,Infinity´s Regard’’ wurde 1997 in unserem Proberaum mit der Hilfe von Alain GONIVA, der heute beim Film arbeitet, produziert. Wir hatten damals nur begrenztes Material zu Verfügung und arbeiteten eigentlich ohne Spuren. Es wurde nur einmal von DAT auf DAT überspielt um die Vocals, akustische und Lead Gitarren hinzu zu fügen. So sind eigentlich alle Basis-Track zu viert live eingespielt worden, was meiner Meinung nach dem Tape diese spontane und dunkele Atmosphäre verleiht. Genau dieses Feeling haben wir versucht bei „Paralyzed“ auch wieder hin zu bekommen, wo wir auch die Basis-Tracks zusammen eingespielt haben. Was das Cover von dem Tape betrifft liegst du eigentlich sehr weit daneben. Das war aber auch das geile daran, dass sich jeder diese Frage gestellt hat. Ha,Ha!! Aber ich werde das Geheimnis lüften: Es ist ganz einfach ein Foto von einem Geysir in Island (das hätte ich nun wirklich nicht erwartet... - Tom), der kurz vor dem Ausbruch ist. Eigentlich mögen wir solche Cover, wo Leute sich die Frage stellen: Was soll das sein? Eure bisherigen Veröffentlichungen waren alle Eigenproduktionen. Wird es dabei bleiben? Eigentlich fahrt Ihr ja ganz gut damit, oder? Was wird geschehen, falls eines Tages mal ein wirklich großes Label anklopft?

Wir werden auch weiterhin in Eigenproduktionen arbeiten, da man so das machen kann, was man will. Wir als Band können aufgrund unserer langjährigen Erfahrung genau so viel wenn nicht sogar mehr leisten als wie einige Labels. Wir arbeiten jedoch mit einer ganzen Anzahl Vertrieben zusammen, so dass wir unsere CDs praktisch überall auf der Welt an den Mann oder die Frau bringen können. 

Habt Ihr eigentlich noch Kontakt zum alten Sänger Stefano? Lief die Trennung damals freundschaftlich ab? Ich hoffe hier kein Tabuthema angesprochen zu haben... Magst Du seine neue Band (die ja glaube ich EX INFERIS heißt)? Ich finde die recht cool auch wenn Hardcore nicht unbedingt so mein Ding ist.

Damals war das schon komisch ein Bandmitglied zu verlieren. Aber in einer Band muss jeder seinen Teil leisten, was damals eben nicht der Fall war. Trotzdem hat uns das als Band nur gestärkt und wir haben 3 Wochen danach mit Tom am Gesang bereits wieder ein Konzert gespielt. Für den kreativen Part änderte es nicht viel, da die Haupt-Songwriter noch immer in der Band waren. Ich kenne auch EX INFERIS, ein entfernter Verwandter spielt dort Gitarre. Gefällt mir sehr gut. So weit ich weiß hat aber bei denen auch bereits ein Sängerwechsel aus ähnlichen Gründen statt gefunden. Aber da musst du die fragen.

Nun ist es ja so dass der eben erwähnte Tom Dein Bruder ist. Und als Du die Band damals gestartet hatte, war er anfangs noch nicht mit dabei. Wieso das? Wie ist es denn so, mit seinem Bruder in ein und derselben Band zu spielen?

Die Band haben Tom Michels und ich 1994 gegründet. Wir suchten noch unseren Sound. Mein Bruder Tom spielte zwar schon Bassgitarre zu der Zeit, aber wir hätten uns damals nie vorstellen können, zusammen in einer Band zu spielen. Nach einem Jahr unerfolgreicher Bassistensuche kam er doch dann einmal zu einer Probe vorbei und … blieb. J Heute könnte ich mir keinen anderen Bassisten vorstellen. Das Beste dabei ist, dass man sich mit seinem Bruder zanken und streiten kann wie man will, nach 10 Minuten die Welt dann aber auch wieder in Ordnung ist. (Na ja, es kann manchmal anstrengend für die beiden anderen Mitglieder sein, Ha, Ha!)

Ihr gehört mit Sicherheit zum den aktivsten Metalbands Luxemburgs, was Liveauftritte betrifft. Euer erster Gig fand gleich vor 500 Leuten statt! Was war das damals für ein Gefühl?

An den Gig haben wir Super-Erinnerungen. Klar waren wir aufgeregt, denn wir wussten nicht, was uns erwarten würde. Wir hatten halt ein paar Songs und hatten dank PAGAN LORN (Ehemalige sehr gute luxemburgische Goth/Doom/Death Band – Tom) das Glück diese vor einem großen Publikum vor zu stellen. Die Stimmung im Publikum war super, aber speziell. Wir haben das Ganze noch auf Video und es ist schon erstaunlich zu sehen, wie wir uns seitdem weiter entwickelt haben. Vielleicht werden wir das einmal veröffentlichen. Dieses Konzert im ´Atelier´ in 96 machte den Namen DESDEMONIA in der Luxemburger Szene bekannt und ermöglichte uns weitere Auftritte und die Aufnahme zum ersten Tape. Irgendwie war es der Start eines Zuges, der bis heute rollt.

Das erste Mal, dass ich Euch gesehen hatte, war in der ´Larei´ in Vianden, irgendwann so 1996 oder 97. Das war so ziemlich das erste Mal, dass ich ne Death Metal Band live erlebt hatte. Sehr einprägsam, kann ich nur sagen!!! Welche Erinnerungen hegst Du an jenes Konzert?

Habe das Konzert auch noch in guter Erinnerung. Irgendwo liegt auch noch eine DAT-Aufnahme rum. Ich hatte noch nie einen besseren Sound auf der Bühne als an jenem Tag. Schade war nur, dass wir so früh gespielt haben und dass es noch hell war. Doch die Leute, die anwesend waren, machten mächtig Stimmung. Die Atmosphäre im Backstage mit den anderen Bands war sehr gut und ich kann mich noch erinnern, dass der Bassist von OOMPH unbedingt meinem Bruder sein altes KREATOR T-Shirt abkaufen wollte. Er hat es aber nicht bekommen! Ha,Ha!

Sehr lustig war ja wohl der Auftritt in diesem ultrakleinen Lokal in Luxemburg Stadt, gleich neben dem Krankenhaus. Natürlich kam es wie es kommen musste, der Gig wurde nach nur 2 Songs vom der Polizei abgebrochen. Gerade dort ein Konzert zu veranstalten, war ja wohl nicht gerade sehr schlau, denkst du nicht?

Na ja, organisiert haben wir das Konzert nicht. Es war das erste Konzert von BURHUC (Metal-Organisation) und sie hatten uns gefragt für diesen Gig. Natürlich stimmten wir zu um ihnen zu helfen. Wir hatten aber schon im Vorfeld so eine Ahnung, dass das was passiert ist, eintreten würde. Ein großes Problem war auch, dass es einige Verspätung im Zeitplan gab. Trotzdem ist es eine weitere interessante Anekdote in der Geschichte der Band. War schon witzig mit der Gitarre vor einem uniformierten Polizisten zu rocken. (Haha, genauso ist es gewesen! – Tom)

Welcher war denn so der bisher beste Auftritt?

Da gibt es viele. Natürlich waren beide Konzerte im Vorprogramm von APOCALYPTICA aufregend, da es ein großes Publikum war. Trotzdem sagt die Größe eines Konzertes nichts über unsere persönlichen Eindrücke aus. In Belgien haben wir auch geile Konzerte gespielt, wo man sich einfach durch die wahnsinnige Energie des Publikums gehen lässt. Ich denke da an verschiedene Gigs in Arlon, aber auch in Flandern. Kann mich aber auch noch an ein geiles Konzert in Leiwen in Deutschland erinnern kurz nach der Veröffentlichung von ,,Same’’.

Wie werdet Ihr denn im Allgemeinen so im Ausland aufgenommen, also was Live spielen betrifft. Vor allem in Belgien scheint Ihr ja recht beliebt zu sein.

Das stimmt, dass wir in ganz Belgien schon eine Menge Fans haben. Live-Auftritte ist für uns sowieso das Größte. Vom Publikum kommt die ganze Energie, die wir brauchen um unsere Songs zu schreiben und zu performen. Dort werden wir immer sehr gastfreundlich aufgenommen und für Konzerte eingeladen. Im Allgemeinen ist man im Ausland eine neutralere Band. Oft kennt das Publikum unsere Musik noch nicht und man muss es innerhalb einer Stunde mitreißen und überzeugen. Bis jetzt ist das immer gut abgelaufen und wir viele andere fette Bands und Leute kennen gelernt, was sicherlich für die ganze Band eine Bereicherung ist.

Aus welchen weit entfernten Ländern hast Du denn schon Reaktionen auf eure Alben bekommen?

Die Reaktionen auf unser Album kommen fast aus der ganzen Welt. Unsere CDs sind an vielen Orten verfügbar. Dieses läuft hauptsächlich über Underground-Distros. Und dann gibt es natürlich die Magazine und Fanzines, die Reviews schreiben. Ich kann da Länder nennen wie Russland, Polen, Ukraine, Indonesien, Japan, Brasilien, USA, Peru, Mexiko, Italien, Portugal und viele mehr.

Lass uns ein bisschen über Luxemburg und seine Szene reden. Ist Luxemburg das Land wo Du alt werden willst? Anders gesagt, bist Du glücklich darüber in Lux. zu wohnen oder hast Du irgendwann mal vor auszuwandern? Wenn ja, wieso und wohin?

Im Moment lebe ich sowieso zur Hälfte in Straßburg wegen meinen Studien. Bin aber eigentlich schon sehr gerne in Luxemburg, da es meine Heimat ist und dort viele meiner Kumpels leben. Finde es auch irgendwie blöd, wenn andere Luxemburger sagen alles wäre schlecht in unserem Land, obwohl sie selbst noch nie woanders waren und das überhaupt nicht einschätzen können (Genau!!! Viele wissen gar nicht wie gut es uns geht! – Tom). Könnte mir aber vorstellen mein Leben teilweise woanders zu verbringen, würde aber nie ganz den Luxemburg den Rücken kehren.

Hast Du nicht auch manchmal das Gefühl, dass Luxemburg nicht mehr als ein größeres Dorf ist, wo jeder jeden kennt (auch auf die Metalszene bezogen)? Ehrlich gesagt nervt mich das ab und zu, alles ist so kleinkariert...

Unsere Erfahrungen in der Underground-Szene im Ausland haben gezeigt, dass das nicht nur in Luxemburg so ist. Deutschland und Frankreich sind in großen Teilen auch sehr regional geprägt und gar nicht so verschieden zu Luxemburg. Dies stimmt auch für Großstädte. Ich denke also, dass Luxemburger Luxemburg oft viel kleinkarierter sehen, als es wirklich ist. Anderenorts ist es manchmal noch schlimmer. Natürlich gibt es vieles was in der gesamten Luxemburger Musik-Szene zu verbessern gäbe, trotzdem sollte wir aber auch das sehen was wir haben und nutzen können. Ich denke, dass jede Band daraus selbst etwas machen muss. 

Einige einheimische Bands, wie z.B. VINDSVAL oder BLACK CANDLE, benutzen teilweise luxemburgische Songtexte. Käme das für DESDEMONIA auch in Frage oder war ,,Zu Arel op der Knippchen’’ eine einmalige Ausnahme? Ich finde solche Aktionen geben der Band, auch im Hinblick auf die internationale Konkurrenz, eine eigene Identität, allerdings weiß ich nicht ob Death Metal und lux. Texte gut zusammen passen... bei Black Metal haut das schon eher hin.

,,Zu Arel op der Knippchen’’ war eigentlich ein spontanes Projekt, da man uns um einen Beitrag zu einem Sampler mit luxemburgischen Traditionslieder gebeten hatte. Wir hatten noch nie Angst vor neuen Ideen und suchten uns dieses Lied heraus. Das Ganze stand nach 2 Proben und ab ging es ins Studio. Ich finde, dass man bei diesem Lied hört, dass Death Metal und lux. Texte zusammen passen können. Ob wir aber selbst einmal lux. Texte schreiben werden kann ich nicht sagen. Bis jetzt haben wir das Bedürfnis noch nicht gehabt. Aber wer weiß?

Dein Eindruck von unserer Metalszene. Kleiner, aber desto umso familiärer?

Ich finde unsere Metalszene schon recht gut. Es gibt ein paar echt gute Bands und auch immer mehr jüngere Bands. Viele kennen sich untereinander durch gemeinsame Konzerte, was auch sehr wichtig ist um Ideen aus zu tauschen und gemeinsam Dinge auf die Beine zu stellen. Ich glaube wir können im Allgemeinen stolz auf die Kreativität der gesamten lux. Underground-Szene sein. 

Kommentiere bitte folgende Bands: -VINDSVAL: -BLACK CANDLE: -MICTLAN: -DREAMING IN RED: -FETUXION: -EMBRYONIC DEATH:

Ich will jetzt hier nicht auf die einzelnen Bands eingehen. Alle diese lux. Metal-Bands kenne ich und wir haben mit jeder von ihnen Gigs gespielt. Es sind teilweise sehr verschiedene Bands mit verschiedenen Persönlichkeiten, die ihnen eine Einzigartigkeit verleiht. Einige finde ich natürlich besser als Andere. Ich muss schon zugeben dass ich meiner Meinung nach eine der besten Metal-Bands aus Luxemburg, PAGAN LORN, vermisse (Ja, ich habe sie auch nicht vergessen, nur habe ich sie weggelassen, da sie sich ja mittlerweile aufgelöst haben, jedenfalls scheint da seit Jahren Funkstille zu herrschen - Tom). Ich glaube es ist eher deine Aufgabe als Schreiber die einzelnen Bands zu beurteilen.

Was mir hier auffällt, ist diese extremen Schwankungen in unserer Szene. Zeitweise gibt’s fast alle 2 Wochen ein Konzert, die dann auch gut besucht sind, was aber nie mehr als ein halbes oder ein Jahr anhält. Danach ist dann wieder für lange Zeit absolute Flaute angesagt. Außerdem vermisse ich mehr Gigs im Ösling ( = Norden des Landes, meine Heimat und wird vom Rest des Landes gern als absolutes Hinterland bezeichnet, dabei ist es viel schöner als der Süden, hähä...), sowie Auftritte ausländischer Bands. Man, es spielten mal KRISIUN, DYING FETUS, CRACK UP, VADER, MORBID ANGEL und andere hier! Wo bleiben die alle?

Metal ist eben Underground und viel Geld ist da nicht zu machen. Also bleibt es am Idealismus einiger weniger hängen um Gigs mit bekannteren Bands zu organisieren. Bands wie DYING FETUS, KRISIUN oder SOILWORK haben wir als DESDEMONIA damals nach Luxemburg geholt. So was ist aber auch sehr viel Arbeit und ist bei uns zeitlich auch nicht immer möglich. Es wäre wünschenswert, wenn jüngere Bands das gleiche versuchen würden. Ich gebe dir recht, dass zurzeit mehr passieren könnte, aber in den letzten Jahren ist das Angebot an kleineren Locations für Klub-gigs immer geringer geworden, was uns die Sache auch nicht gerade vereinfachet. Trotzdem gibt es Organisationen wie BURHUC und EMF die öfters versuchen Gigs auf die Beine zu stellen.

Ok, Themawechsel! Wie steht es um das Thema Medien bei Dir? Schaust Du Dir z.B. regelmäßig Nachrichten an? Ich persönlich tue das mittlerweile überhaupt nicht mehr und komme recht gut ohne TV und Radio aus. Ich habe es einfach satt, mir Lügen und Korruptheit ansehen zu müssen, keine Lust mehr, unwilligen Politikern zuzuhören und mir nie endende Kriege und Leiden anzusehen. Allein schon die Berichterstattung vom Irakkrieg oder vom 11. September ruft bei mir sofort Ekel und Verabscheuung hervor. Hast Du diese Manipulation nicht auch langsam satt?

Ich glaube diese Manipulation gibt es nicht erst seit dem 11. September, sie ist uns vielleicht nur etwas bewusster geworden. Was wiederum heißt, dass wir alle etwas kritischer geworden sind, also uns vielleicht nicht mehr so leicht manipulieren lassen. Ich denke, dass gerade dadurch einige Medien noch kritischer in ihrer Berichterstattung geworden sind. Klar muss man sich seine eigene Meinung bilden, aber das geht nur wenn man sich irgendwie informiert, sei es in der Zeitung, im Radio oder im Fernsehen. Es hängt eben davon ab, was man glaubt oder glauben will. Manipulation durch Medien gab es und wird es immer geben. Wichtiger als das Ablehnen von Medien ist einen kritischen Umgang mit Ihnen zu finden. Schlimmer als die politische Manipulation, die in unseren Demokratien doch geringer ist als in Übersee, finde ich die kommerzielle Manipulation durch das TV. Sei es in Casting- oder Talkshows, die Zuschauer werden regelrecht verarscht und für dumm verkauft, nur um schnelles Geld zu machen. Ich denke das ist schon eine Gefahr für unsere Gesellschaft. (Wer sich für dumm verkaufen lässt, ist selber schuld... – Tom)

Gibt es eine Band oder ein Album, welches so eine intensive Wirkung auf Dich hatte und hat, dass sie Dein Leben verändert hat?

Ich würde hier nicht sagen, dass eine bestimmte Band mein Leben verändert hat, sondern die Musik im Allgemeinen. Das Erlernen des Gitarrenspiels mit 14 hat schon einen Einfluss auf meine Denkweise (nicht nur in musikalischer, sondern auch in menschlicher Hinsicht) gehabt. Ich habe gelernt etwas emotionaler und kritischer zu denken. METALLICA war schon die Band die mir damals so richtig Lust gegeben hat Gitarre zu spielen und eine Band zu gründen.

Zum Schluss möchte ich noch Dein Kommentar zu zwei von Euren Tracks wissen. Es war eine wirklich geniale Idee, ,,Nosferatu’’ für Eure zweite CD nochmals zu verwenden. Wieso nicht schon bei ,,Same’’? Und dann noch Gratulation zur superben ,,Zu Arel op der Knippchen’’ Version. Wer zum Teufel hatte bloß die Idee dazu? Werdet ihr noch weitere traditionelle Volkslieder umdeathmetallen (geiles Wort, was?)? Ich denke da z.B. an ,,De Feierwon’’, ,,De Charely’’ oder vielleicht ja sogar ,,Zwou Bulle Mokka’’, haha... Oh, Mann, das wäre ja echt der Hammer. Und irgendwann in einigen Jahren könnt Ihr dann ein Gig nur mit Volksliedern vortragen, hahaha...

Nosferatu ist eines unserer ersten Lieder gewesen und muss so um 95 entstanden sein. Es hat uns immer auf den Konzerten begleitet und kam beim Publikum immer sehr gut an. Nach den Aufnahmen zum Tape sollte es eigentlich auch auf der „SAME“ erscheinen. Doch aus zeitlichen und finanziellen Gründen konnten wir das Lied damals nicht mehr im Studio fertig stellen. Die originalen 16-Spur-Basis-Tracks haben wir noch zu Hause rumliegen. Also war es klar für uns, dass es dieses Lied bei der nächsten Aufnahme endlich auf eine CD schaffen müsste. Die Änderungen am Lied waren minimal und doch harmoniert es mit den neuen Liedern von „PARALYZED“.

,,Zu Arel op der Knippchen’’ war unsere Idee. Ich weiß aber nicht genau, von welchem Bandmitglied der Anstoß kam. Der Radiosender RTL wollte einen Sampler produzieren, wo lux. Bands alte traditionelle Lieder in ihrem Stil covern. Als wir für eine Teilnahme gefragt wurden, sagten wir zu, da es immer interessant ist, neue Wege zu beschreiten und mit anderen Musikrichtungen auf einer CD in Kontakt zu kommen. Es gab uns vor allem auch die Möglichkeit mit einem größeren Publikum in Verbindung zu kommen. In den RTL-Charts konnte man unser „Arel op der Knippchen“ vor Britney Spears finden. Ha, Ha. Aber eigentlich war es eine sehr spontane und einmalige Sache.

Ok, genug geblödelt. Ich danke Dir auf jeden Fall für deine Bereitschaft für dieses Interview und hoffe bald mit neuem Material verwöhnt zu werden. Die letzten Worte gehören Dir!

Wir bedanken uns bei dir für deine Unterstützung und die interessanten Fragen, die die ganze Geschichte von DESDEMONIA betreffen. Wir machen auf jeden Fall weiter mit der Band und danken allen Fans und Menschen, die wir dadurch kennen gelernt haben und uns die Energie und Inspiration zur Musik geben. Ich hoffe, dass wir uns wieder auf einem Konzert sehen.

Interview by Tom für Nebelmond Zine # 2 (nebel-mond@gmx.net)

Discographie:

-Infinity´s Regard (Demotape, 1997)

-Same (CD, 1998)

-Paralyzed (CD, 2001)

©2017 Desdemonia
This site has been created with the Artist Website Manager on jamplifier.com.
Want to create your own FREE artist website? Start now!